Stellungnahme des Netzwerks Sexuelle Bildung Steiermark zum Thema Sexualpädagogik in Schulen 

Sexualität, Geschlechterrollen und Gleichstellung sind gesellschaftliche Themen. Es gibt unterschiedliche Haltungen und Herangehensweisen dazu. Derzeit beobachten wir in mehreren Ländern – in den USA, aber auch in Deutschland und Österreich –, dass Gruppierungen diese Themen als Aufhänger benutzen, um gesellschaftliche Werte anzugreifen und gezielt Misstrauen zu schüren. Dies tun sie durch Demos, Petitionen, Einschaltungen in Medien, Leser*innenbriefe … gezielte Öffentlichkeitsarbeit.

Öffentlicher Diskurs ist wichtig und klärt auf 

Wir als Netzwerk Sexuelle Bildung sehen den öffentlichen, auch medial geführten Diskurs darüber als Chance, um über die Arbeit von Sexualpädagog*innen zu informieren und gezielt aufzuklären – nicht nur über Sexualität, sondern auch über damit verbundene Thematiken wie (Hetero-)Sexismus, sexuelle Belästigung, Gewalt und Diskriminierung. So können Vorurteile abgebaut und falsche Informationen richtiggestellt werden.

Wo holen sich Schüler*innen Informationen zu Liebe und Sexualität? 

Schüler*innen beziehen Informationen vorwiegend von Gleichaltrigen und aus Medien (Internet, Fernsehen, Zeitschriften). Dabei werden sie auch mit Pornografie und sexualisierter Gewalt konfrontiert und verunsichert. Oft glauben sie, sich daran orientieren zu müssen. Es ist wichtig, mit ihnen darüber zu diskutieren und aufzuzeigen, dass Pornos nicht der Realität entsprechen und es sich dabei nicht um Dokumentarfilme handelt.

Studien belegen, dass dieses Mehr an Wissen, vermittelt durch Sexualpädagog*innen, keineswegs zu mehr Teenager-Schwangerschaften oder früherem, ersten Sex führt. Es führt vielmehr zu einem bewussteren Umgang mit der eigenen Sexualität und weniger riskantem Verhalten.

Externe Bezugspersonen unterstützen Eltern und Lehrer*innen 

Sexuelle Entwicklung geschieht nicht losgelöst von der gesamten persönlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Das heißt, sie findet von klein auf und im Elternhaus statt. Auch Schulen haben einen sexualpädagogischen Bildungsauftrag und bieten Schüler*innen die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Um intime Fragen zu besprechen, sind Lehrer*innen nicht immer die Ansprechpartner*innen, die Jugendliche sich wünschen. In Workshops können Fragen mit ausgebildeten Sexualpädagog*innen in geschütztem Rahmen diskutiert werden.

Jugendliche melden rück, dass sie das Setting eines Workshops mit externen Referent*innen gerne nutzen, um über das intime Thema Sexualität zu sprechen. Von Schulen erhalten die Mitglieder des Netzwerks weitaus mehr Anfragen, als sie bewältigen können.

Sexualpädagogik dient der Gewaltprävention 

Sexuelle Bildung im Sinne eines positiven Zugangs zu Körperlichkeit und Sexualität trägt zur Prävention sexualisierter Gewalt bei. Wichtig ist, dass Jugendliche ihre eigenen Grenzen und die von anderen wahrnehmen: „Nein heißt nein“, unabhängig von Alter und Geschlecht. Sie werden durch Informationen über Sexualität und Gewalt gestärkt, um sich bei Übergriffen

Unterstützung zu holen. Weitere Grundlage zur Gewaltprävention sind: Über den eigenen Körper Bescheid zu wissen, einen liebevollen Umgang mit ihm zu pflegen und eine Sprache für Sexualität zu entwickeln. Ein respektvolles Miteinander wird so gestärkt und die Selbstbestimmung von Individuen gefördert. Schüler*innen finden in den Workshops einen Rahmen, um über Gefühle, Unsicherheiten sowie Fragen zu ihrem Körper zu sprechen.

Wir arbeiten qualitätsvoll gemäß den Grundsätzen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu ganzheitlicher Sexualaufklärung: Sexualaufklärung findet altersgerecht statt, entspricht der Lebenswirklichkeit von Jugendlichen, erkennt die menschliche Vielfalt wertschätzend an, basiert auf wissenschaftlich korrekten Informationen und befähigt zu einem respektvollen Umgang miteinander.

Sexualpädagogik liefert einen Beitrag für ein gleichberechtigtes, sexismusfreies und gewaltfreies Miteinander. Damit dies gelingt, ist es wichtig, dass die Politik weiterhin Verantwortung für das Thema trägt.

alpha nova, Fachstelle.hautnah Courage Graz Frauengesundheitszentrum Hazissa – Fachstelle zur Prävention vor sexualisierter Gewalt Abenteuer Liebe/Junge Kirche Liebenslust, Zentrum für sexuelle Bildung Mafalda, Verein zur Förderung und Unterstützung von Mädchen und jungen Frauen Mädchensprechzimmer Verein für Männer- und Geschlechterthemen, Fachstelle für Burschenarbeit für das Netzwerk Sexuelle Bildung Steiermark

Das Netzwerk Sexuelle Bildung Steiermark ist ein Netzwerk gemeinnütziger, steirischer Organisationen, die Angebote zu Liebe und Sexualität für unterschiedliche Zielgruppen durchführen. Unser Anliegen ist es, durch Vernetzung und Weiterbildung die sexuelle Bildung in der Steiermark weiterzuentwickeln und das Thema verstärkt in die Öffentlichkeit zu tragen. 

Links

http://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/9/7/0/CH1444/CMS1427118828092/gesundheit_und_gesundheitsverhalten_oester_schuelerinnen_who-hbsc-survey_2014.pdf 

http://www.bmgf.gv.at/home/Gesundheit/Frauengesundheit/Archiv_Frauengesundheitsbericht/Oesterreichischer_Frauengesundheitsbericht_2010_2011 

https://broadly.vice.com/de/article/maedchen-waren-mit-sich-selbst-noch-nie-so-unzufrieden-wie-heute 

https://publikationen.sexualaufklaerung.de/index.php?docid=1985