Durchs Reden kommen die Leut zsamm…

In der Sitzung des Steirischen Landtags vom 16.5. wurde über liebenslust* gesprochen. Unter dem Agendapunkt Nummer 4 wurden unsere Landtagsabgeordneten – auf Anfrage der FPÖ – aufgefordert darüber abzustimmen, ob die Förderungen für unser Projekt mit Jugendlichen und Ihren Bezugspersonen eingestellt werden sollen. Die Abstimmung ergab ein klares Ergebnis für die Fortsetzung des Projektes.

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Wir bedanken uns bei Frau Landesrätin Ursula Lackner, Landtagsabgeordnete Cornelia Schweiner und Michaela Grubesa für Ihre Worte und die ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

liebenslust* wurde viel Aufmerksamkeit zu Teil und das hat durchaus viele Vorteile. Wir freuen uns des Themas wegen, dass sich unser Landtag mit Sexueller Bildung, ihrer Wichtigkeit und ihrem Nutzen beschäftigt. Eigentlich großartig, wäre da nicht die Kehrseite der Medaille.

Wir blicken auf Wochen zurück, in denen wir viel Verletzendes und viel Aufbauendes erlebt haben: eine Achterbahnfahrt der Sonderklasse.

Als wir uns entschieden haben im Bereich der Sexuellen Bildung zu arbeiten, war uns klar: Wir betreten rutschiges Parkett. Es hängt viel von der Sensibilität der Medien und von der politischen Stimmung ab, wie unsere Arbeit aufgenommen und dargestellt wird. Denn, wenn „Sexualität“ zum Thema gemacht wird, wird es persönlich.

Diese turbulenten Wochen haben uns mit vielen tollen Menschen vernetzt und wir sind ebenso überwältigt von einer Welle des Rückhalts. Wir leben in Zeiten, in denen Menschen, die für ihre Werte einstehen, ihre Prinzipien vertreten und sich zeigen, mit Angriffen, Fake News und persönlichen Verletzungen rechnen müssen. Wir kennen dieses Gefühl nun ebenfalls und stellen uns in die Reihen derer, die gestärkt aus dieser Zeit hervorgehen.

Weil, wenn wir etwas gelernt haben in den letzten Wochen, dann ist es: Wir bleiben unaufgeregt. Wir stehen für fundierte Sexuelle Bildung der Vielfalt. Unsere Haltung und unsere Werte kann uns niemand streitig machen. Das ist unmöglich.

 

Ein kurzer Abriss der Geschehnisse – für alle die nicht live dabei waren:

In einem breitenwirksamen Printmedium erscheint Anfang Februar ein reißerischer Artikel, der in seiner Bildsprache sexistisch und untergriffig ist. Unser Vereinsname fungiert als Überschrift. Es folgt eine politische Anfrage, in Printmedien erscheinen nach einer sachlichen und kurz gehaltenen Information negative und inhaltlich falsche Leser*innenbriefe sowie diffamierende Kommentare von Einzelpersonen, die uns oder unsere Arbeit offensichtlich nicht kennen. In den folgenden Tagen werden unser Verein UND wir als Personen zur Zielscheibe für Abwertungen, es findet sich Kritik zu uns im Netz, Falschinformationen werden – möglicherweise bewusst – gestreut.

Mitte Februar hält Landrätin Ursula Lackner eine Pressekonferenz mit allen durch sie subventionierten Projekte im Bereich der sexualpädagogischen Aufklärungsarbeit ab. Auf dies folgt eine positive Welle der medialen Aufmerksamkeit für das Thema.

Im März erscheint in einer Tageszeitung ein Kommentar eines Kinder- und Jugendpsychiaters, der die Diffamierungen wieder aufgreift und zur Spitze treibt. Dies eröffnet Drohungen gegen uns und unser nahes Umfeld Tür und Tor. Im März reicht die FPÖ einen Antrag zum sofortigen Stopp unserer Fördermittel ein. In der FPÖ Zeitschrift „Wir Steirer“ wird Ende März erneut heftig diffamiert und mittels Bild-Text-Scheren suggeriert.

Anfang April folgt ein Artikel in der Kleinen Zeitung, der die Entwicklungen und Sachverhalte richtigstellt.

Im deutschsprachigen Raum finden mittlerweile mehrere ähnliche Sachverhalte statt – immer gegen das selbe Thema: zeitgemäße Sexuelle Bildung.