Es gibt Länder, in denen wird den Menschen nachgesagt, dass sie schnell etwas „großartig“ und „super“ finden. Der deutschsprachige Raum gehört da eher nicht dazu. Granteln und jammern wird den einen nachgesagt, Effizienz und Distanz den anderen.

Ein bisschen mehr Wertschätzung wäre nachweislich wirklich gesund für unser Immunsystem und unser Wohlbefinden. Wir könnten einander stärken und uns ein Lächeln in die Gesichter zaubern, wenn wir uns öfter einmal sagen, wie sehr wir einander schätzen. Wahrscheinlich brauchen wir ein bisschen Übung. Kinder nehmen unsere Zuneigungsbekundungen durchaus gut und liebend gerne an. Denn alle Menschen wollen um ihrer selbst Willen geliebt werden. Wenn wir das tun, sagen wir es doch einfach auch!

Let the magic happen!

 

Ich mag dich. Besonders mag ich…

Wann haben wir eigentlich einer Frau oder einem Mädchen das letzte Mal gesagt, was wir an ihr mögen? Wann waren wir dabei kreativer, als nur auf Äußerlichkeiten zu schauen? (Auch wenn das immer mal wieder Balsam auf die Seele sein kann.) Je mehr wir uns gegenseitig stärken, desto weniger müssen wir uns über Bikini-Figuren und Problemzonen Gedanken machen. Die halten uns ohnehin nur davon ab, uns mit voller Energie für eine bessere Welt einzusetzen. Und wann haben wir das letzte mal etwas anderes bei einem Buben kommentiert, außer wie groß und stark dieser schon geworden ist? Wir besitzen alle viel mehr als Schönheit und Muskelkraft. Intelligenz zum Beispiel, Kreativität, Humor, Einfühlsamkeit, Umsicht, ein gutes Auge für etwas, Fingerfertigkeit, eine Schulter zum Anlehnen, Sensibilität, Vorstellungskraft, Klarheit, Energie, Wärme, Frische, Geduld, Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Loyalität, Unbekümmertheit, Offenheit, Ruhe, Inspiration, Humor… Es gibt so viel, was uns an anderen Menschen begeistert. Wir sollten es einfach öfter mal sagen. Und fangen wir damit gleich bei den Jüngsten an: Mädchen und Jungs sind mehr als Prinzessin und Spiderman. Sie sind auch zukünftige Forscherinnen und Väter.

 

Ich kann das. Das kann was.

Pippi Langstrumpf hat mal den wunderbaren Satz gesagt: „Das habe ich vorher noch nie versucht. Also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe.“ Warum eigentlich nicht? Menschen bestärken ist auch indirekt möglich, indem wir uns selber mehr zutrauen und Beispiele dafür liefern, wie das mit dem über den eigenen Schatten zu springen funktioniert. Es ist auffällig wie sehr geschätzt wird, wenn wir unser Licht unter den Scheffel stellen, abwinken und relativieren, wenn wir ein Kompliment bekommen. Dabei ist nichts Falsches daran, stolz auf sich und seine Fähigkeiten zu sein. Das was wir gerne tun, liegt uns einfach. Dafür brauchen wir nicht unbedingt eine Auszeichnung. Talent und Liebe reichen völlig aus. Wenn jemand anders das auch bemerkt: Das ist schön!

 

Die Welt braucht mehr Komplimente…

Thigh Gap, Bikini Bridge, Ab Crack, Hip Dent… Keine Ahnung, was das sein soll? Wir klären auf: Schönheitstrends der letzten Jahre, die alle nur mit viel Training, wenig Essen oder genetisch bedingt erreicht werden können. Sie zeigen Dellen, Furchen oder Lücken an bestimmten Körperstellen, die ohne viel Aufwand, technisches Geschick und Arbeit am Körper oft nicht sichtbar wären. Besonders für junge Mädchen scheinen diese Ideale oft erstrebenswerter. Sie wachsen auf mit

  • vielen Komplimenten und Kommentaren zu ihrem Äußeren („wie süß/hübsch“),
  • Müttern, die oftmals mit ihrem Äußeren hadern,
  • einem Umfeld, das ständig Kalorien und Diäten und alles was nicht gegessen wird thematisiert,
  • Lob, das ausgesprochen wird, wenn jemand ein paar Kilo abgenommen hat,
  • einer Gesellschaft, die bereits zu Weihnachten damit beginnt die Bikinifigur für den Sommer zu thematisieren.

Soweit, so einschränkend. Die Bilderflut im Netz – gerade dort, wo viele Jugendliche sich digital aufhalten – macht es nicht einfacher. Sich nicht auf Vergleiche einzulassen oder bewusst „hübsch“ inszenierte Fotos zu posten, um möglichst viel Aufmerksamkeit und positive Kommentare zu erhalten ist zu einer richtigen Aufgabe geworden. Wir wollen schließlich alle schön und begehrenswert sein. Für Jugendliche, die sich gerade mit Verliebtsein und ersten Beziehungen auseinandersetzen, ist dieses Thema umso wichtiger und absolut normal.

Gleichzeitig kann das Selbstbewusstsein so schnell angeknackst werden, wenn es nur vom Äußeren abhängig ist. Es braucht wirklich viel Aufwand, immer das selbe Level zu halten. Die wenigsten von uns sehen morgens beim ersten Blick in den Spiegel aus, als könnten sie geradewegs über den roten Teppich spazieren. (Außer der Läufer im Vorraum hat diese Farbe. :) ) Viel einfacher hält sich ein gesunder Selbstwert, wenn er auf anderen Säulen aufgebaut ist. Das ist allerdings nicht nur die Aufgabe der betreffenden Person selbst, sondern wir alle können uns gegenseitig dabei unterstützen. Zu Anlässen wie dem Welt-Mädchentag können wir darüber nachdenken, wie wir Mädchen in unserer Gesellschaft stärken und die Welt damit ein bisschen gemeinschaftlicher machen. (Für Buben und Männer, trans*idente und intergeschlechtliche Menschen gelten übrigens dieselben Tipps!).

 

Und was hat das alles mit Sexueller Bildung zu tun?

Diese Frage lässt sich einfach beantworten: Ein gesunder Selbstwert und ein gestärktes Selbstbewusstsein sind die beste Prävention, um Grenzüberschreitungen zu erkennen, benennen und zukünftig verhindern zu können. Sie unterstützen bei der Entwicklung eines gesunden Körperbewusstseins, dass sich nicht an Thigh Gaps und Instagram orientieren muss. Selbstwert beginnt im Kopf, nicht im Spiegel!

 

…wir gehen´s gleich an!

 

In Zusammenarbeit mit dem Team der Grazer Stadträtin Tina Wirnsberger und des Referates Frauen und Gleichstellung haben wir Anlässlich des Weltmädchentages am 11.10.2017 Postkarten produziert. Als Inspiration für viele Komplimente.


Liebens- und Lesenswertes…

Landtagssitzung 16.5.2017

Durchs Reden kommen die Leut zsamm… In der Sitzung des Steirischen Landtags vom 16.5. wurde über liebenslust* gesprochen. Unter dem Agendapunkt Nummer 4 wurden unsere Landtagsabgeordneten – auf Anfrage der FPÖ – aufgefordert darüber abzustimmen, ob... mehr lesen