In sexualpädagogischen Workshops sprechen wir natürlich auch über Menstruation.

Dabei begegnen uns oft Mythen, aus denen wir unsere Top-Ten für euch zusammengestellt haben.

1.) Jungs interessieren sich nicht für das Thema Menstruation

Fehlanzeige. Es spricht nur ganz oft niemand mit ihnen darüber. Fundiertes Wissen über Menstruation ist für Burschen und Männer genauso relevant wie für Frauen und Mädchen. Es beugt Fehlinformationen über Schwangerschaftsverhütung vor, enttabuisiert und holt Menstruation weg aus der Wäh-Ecke. Ein unaufgeregter Umgang mit dem Thema Menstruation kann auch dazu beitragen, dass Tampons, Binden, etc insgesamt als weniger peinlich empfunden werden. Denn Menstruation ist nichts Peinliches. Menstruation ist ein körperlicher Vorgang. Genauso wie die Verdauung, der Blutkreislauf oder Schwitzen. Alle haben ein Anrecht darauf, über die Vorgänge des Körpers mehr zu lernen. Ein wertschätzender Umgang mit dem Körper einer anderen Person beginnt auch mit dem Wissen darüber.

In unserer Erfahrung sind es eben auch die Burschen,

  • die begeistert Tampons in Wassergläser tauchen, um zu sehen, wie denn das genau mit dem Regelblut funktionieren kann,
  • die verschiedene Menstruationsartikel ganz genau ansehen möchten, (weil noch nie gesehen?)
  • die fasziniert sind davon, was sich in der Gebärmutter abspielt.

 

2.) Zwischen Müttern und Töchtern gibt es keine Geheimnisse

Leider nein. Oft fällt es Eltern gar nicht leicht, über Sexualität mit ihren heranwachsenden Kindern zu sprechen. Menstruation muss zwar gar nichts mit sexueller Aktivität zu tun haben, steht aber trotzdem für viele symbolisch für Fruchtbarkeit und sexuelle Mündigkeit. Darum begegnen junge Mädchen und deren Eltern der ersten Regel oft sehr zwiespältig. Mädchen werden erwachsen. Autsch! Da ist auch ein Stück weit Trauerarbeit dabei. Mädchen verändern sich körperlich und werden auch gesellschaftlich anders wahrgenommen. Da fällt es manchen Eltern schwer, Kinder loszulassen. Deren Körper warten nur leider nicht darauf, bis alle soweit sind.

So begegnen uns immer wieder Aussagen in Workshops und Weiterbildungen wie: „Aber wie soll ich denn das meiner Mutter erklären, wenn ich die Regel habe?“ „Ich hatte keine Ahnung, was da passiert. Ich dachte ich verblute.“ – Das klingt drastisch, zeigt aber, wie schambesetzt das Thema Menstruation nach wie vor ist. Die erste Umfrage österreichweit unter 1100 Jugendlichen – durchgeführt von der erdbeerwoche – bestätigt diesen Eindruck. Für viele Mädchen und Burschen wird mit der Regel ein negatives Bild assoziiert. Außerdem gibt es große Unklarheiten und Unwissen zur richtigen Entsorgung von Menstruationsartikeln, den gesundheitlichen Aspekten zu den jeweiligen Artikeln und zum Umgang mit Regelschmerzen. 

Als Mütter, Väter bzw. Erwachsene haben wir die Möglichkeit, Jugendliche gut durch die aufregende Zeit der Pubertät zu begleiten und ihnen ein unaufgeregtes Gefühl zur Menstruation zu vermitteln. Unterstützung kann dabei ein Buch wie „Lilith’s Schatz“ bieten, das behutsam auf die körperlichen Veränderungen vorbereitet. Damit leisten wir einen tollen Beitrag für die Zukunft unserer Töchter. Und wer weiß, vielleicht werden dadurch Tampons und Binden genauso unaufgeregt und schamfrei im Supermarkt gekauft wie Klopapier und Taschentücher. 😉

3.) Tampons können nur die benutzen, die keine Jungfrauen mehr sind

Jungfräulichkeit ist bei Mädchen oft mit dem Gedanken an das sogenannte Jungfernhäutchen verbunden. Dem haben wir einen ausführlichen Blogartikel gewidmet. Nur so viel sei in aller Kürze hier verraten: DAS Jungfernhäutchen in der Form gibt es nicht. Alle Körper sind unterschiedlich. Deshalb muss auch nichts einreißen oder eng sein. Wer lieber Tampons oder Menstruationstassen als Binden benutzen möchte, soll das gerne tun. Ob das anatomisch möglich ist, lässt sich mit einem einfachen Blick in den Spiegel feststellen bzw. ertasten. Mehr dazu aber in unserem Artikel über Jungfräulichkeit.

4.) Slipeinlagen sind für die leichten Tage

Natürlich können Slipeinlagen für die Tage mit leichter Regelblutung oder Schmierblutungen verwendet werden. Eigentlich sind Slipeinlagen aber für Ausfluss bzw. Zervixschleim gedacht. Zervix ist der lateinische Name für den Gebärmutterhals. Dieser produziert Schleim, der uns darüber Auskunft gibt, ob die Zeichen gerade auf Fruchtbarkeit stehen oder nicht. An manchen Tagen landen deshalb kleine weiße Klümpchen in der Unterhose, an anderen wiederum fließt glasig klarer Zervixschleim die Scheidenwände entlang. Letzteres kann sich anfühlen als wäre eine feucht oder hätte sich angepinkelt. Die Unterhose ist jedenfalls nass. Dieser körperliche Vorgang ist absolut normal. Abhilfe für unangenehme Nässe schaffen Slipeinlagen.

5.) Während der Menstruation kann eine nicht schwanger werden

Der Zyklus beginnt mit dem ersten Tag der Regelblutung und endet mit dem letzten Tag vor der nächsten Blutung. Wie lange dieser Zyklus ist, ist von Frau zu Frau total unterschiedlich und kann auch von Zyklus zu Zyklus variieren. Gründe dafür kann es viele geben – Stress zum Beispiel. Da kann es dann schon einmal passieren, dass sich der Zeitpunkt des Eisprungs wesentlich verschiebt und schwupps ist zB der Zeitraum zwischen Regelblutung und Eisprung nicht mehr zwei sondern vielleicht nur mehr eine Woche lang. Da Spermien eine Zeit lang in der Gebärmutter überleben können und gerne warten, bis eine befruchtbare Eizelle aus dem Eierstock springt, sollte über Verhütung nachgedacht werden, wenn kein Baby geplant ist.

6.) Menstruationsblut ist unrein

Blut aus dem Körper ist nicht unrein. Weder Menstruationsblut noch Blut, das aus einer Wunde fließt. Im Volksglauben und in der Tradition verschiedener Glaubensgemeinschaften gibt es viele Verhaltensregeln für menstruierende Frauen bzw. Ideen dazu, welche magischen und tragischen Fähigkeiten sie besäßen. Dafür gibt es allerdings keine anatomischen oder medizinischen Nachweise.

Menstruationsblut ist nicht unrein.

7.) Menstruierende Frauen sind zickig

Alle Menschen haben das Recht zickig, unzufrieden oder genervt zu sein. Wenn der Hormonspiegel in den Keller fährt und eine sich fühlt, als würde sie sich am liebsten in einer dunklen Höhle verkriechen, dann ist das vielleicht nicht unbedingt der beste Moment für soziale Aktivitäten. Diese Momente gibt es aber im Leben von allen Menschen.

Auch Personen, die gerade an Migräne leiden, sich eine Zerrung zugezogen haben oder in einen Brennesselhaufen gefallen sind, gehen möglicherweise als Partypupser durch. Insofern: Gönnen wir doch Menschen, deren Gebärmutter sich gerade krampfartig zusammenzieht ein bisschen allgemeine Genervtheit. An anderen Tagen werden sie sicher wieder Sonnenschein versprühen.

8.) Vor der ersten Regel kann eine nicht schwanger werden

Der Zyklus beginnt mit dem ersten Tag der Regelblutung bzw. zeitgleich mit dem Reifen eines Eibläschens im Eierstock. Darauf folgt irgendwann der Eisprung, an dem die Eizelle befruchtet werden kann. Und genau dann kann sich eben eine Schwangerschaft ergeben. Beim ersten Menstruationszyklus passiert dieser Zeitpunkt logischerweise vor der ersten offiziellen Regelblutung. Also gilt: Auch vor der ersten Regel kann eine schwanger werden.

9.) Der Menstruationszyklus dauert 28 Tage

Bei manchen ja, bei vielen nicht. Der Zyklus ist von Frau zu Frau unterschiedlich lang und kann auch von Monat zu Monat variieren. Genauso variiert auch immer wieder die Intensität und Länge der Blutung und der Beschwerden. Vor allem wenn ein Mädchen das erste Mal die Regel bekommt, können sich die ersten drei, vier, fünf Monatszyklen recht unregelmäßig gestalten.

10.) Bewegung während der Regel ist ungesund

Leichte Bewegung während der Regel tut sogar gut. Dass sich eine mal unwohl fühlt und nicht gerade Lust auch Stabhochsprung oder einen Marathon hat, liegt in der Natur der Sache. Dem schulischen Turnunterricht muss eine trotzdem nicht fernbleiben. Leichte Bewegung wie Spazieren gehen, laufen, Yoga oder auch sexuelle Aktivitäten können gegen Regelschmerzen helfen.

Mehr Tipps gegen Regelschmerzen hat die erdbeerwoche.

Lasst es uns wissen, wenn euch noch weitere Mythen über Menstruation einfallen. Generell gibt es bei diesem Thema immer wieder neues dazuzulernen und zu erfahren. Auch für Sexualpädagog*innen 😉

 

Text: Katja Grach, Michaela Urabl